Es gibt eine Glasscheibe

Ja, stell dir vor: Es gibt eine Glasscheibe.
Ich sehe sie immer wieder.
Frauen, die vor ihr stehen. Die auf die andere Seite schauen. Die sehen, was möglich wäre. Das Leben, das wartet, die Frau, die sie sein könnten. Und die trotzdem stehen bleiben. Sie warten. Auf den richtigen Moment. Auf jemanden, der ihnen sagt: Jetzt. Genau jetzt. Und so.
Ich habe diese Woche eine Frau gehen lassen. Sie wartet schon lange.
Sie sucht jemanden, der ihr durch die Scheibe hilft. Sanft. Ohne Scherben. Ohne den Moment, in dem sie selbst entscheiden muss.
Das bin nicht ich.
Es ist wahrscheinlich das schmerzhafteste Hindernis. Ich weiss, was auf der anderen Seite wartet. Und ich halte es ihr nicht vor indem ich tue, als gäbe es einen Weg dahin ohne die Entscheidung.
Was Veränderung wirklich kostet
Ich begleite Frauen sehr weit, wenn sie es wollen. Ich gehe mit ihnen. Ich halte den Raum, wenn es schwer wird.
Doch irgendwann – steht jede Frau vor ihrer Scheibe.
Und dann ist da dieser Moment. Kurz. Still. Niemand sieht ihn von aussen.
Die Entscheidung.
Es ist keine schreierische Entscheidung. Keine, die laut ausgesprochen wird. Eine Entscheidung, die, die man trifft, bevor man schläft. Die, die man am nächsten Morgen lebt oder eben nicht lebt.
Veränderung hat Nebenwirkungen. Neue Umgebungen. Menschen, die wegfallen. Dinge, die man loslässt. Manchmal das Haus, manchmal eine Beziehung, manchmal ein Bild von sich selbst, das nicht mehr stimmt.
Das ist nicht das Ende. Das ist der Weg durch die Scheibe.

Was ich oft höre
«Ich arbeite so intensiv an mir. Und nichts ändert sich.»
Ich höre das. Ich verstehe es.
Die Arbeit war real. Die Erkenntnisse waren real. Die Scheibe ist klarer geworden.
Aber der Schritt, der wurde noch nicht gemacht.
Das ist eine Einladung. Die Scheibe wartet geduldig, sie bewegt sich nicht weg. Sie steht einfach da.
Was ich bin – und was ich nicht bin
Ich bin Wegbegleiterin. Ich gehe mit. Ich zeige, was ich sehe. Ich halte die Taschenlampe, wenn es dunkel wird.
Ich bin nicht die Veränderung. Ich begleite sie.
Und ich bin nicht für alle geeignet. Das habe ich diese Woche sehr deutlich gespürt. Es gibt Frauen, die etwas anderes suchen. Eine sanftere Hand. Eine Anleitung. Jemanden, der ihnen die Entscheidung abnimmt.
Das bin ich nicht.
Ich begleite die Frauen, die bereit sind, durch die Scheibe zu gehen. Die wissen, dass es wehtun könnte. Die sich trotzdem für sich entscheiden.
Für die Frauen bin ich hier.
Und du – stehst du gerade vor einer Scheibe?
Ursina
Veränderung mit Embrace Mind





Kommentare