Ich erkenne mich selbst nicht mehr. Perimenopause und Hochsensibilität
- vor 16 Stunden
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Es ist kurz nach 4. Du liegst noch, aber schlafen geht nicht mehr.
Die Hitze kam wieder. Irgendwann in der Nacht, zweimal, dreimal. Dein Körper, der sich entscheidet, ohne dich zu fragen. Du hast das Fenster aufgemacht, die Decke weggestrampelt, gewartet. Irgendwann bist du eingeschlafen. Irgendwie.
Jetzt ist es Morgen. Und heute hast du eine Coaching-Stunde, ein wichtiger Termin.
Früher wärst du einfach aufgestanden. Hättest dich vorbereitet, bist reingegangen, hast es gemacht. Easy. Du warst gut darin. Du weisst, dass du gut darin bist.
Aber heute – heute fragst du dich, ob du das noch kannst.
Ob du dich erinnerst. Ob der Brainfog genau dann kommt, wenn du ihn am wenigsten brauchen kannst. Ob man es dir ansieht. Ob das Makeup hilft. Was du anziehst. Ob das überhaupt noch etwas ändert.
Und irgendwo im Hintergrund, leise, aber hartnäckig: die Stimme, die sagt – das haben doch alle Frauen. Das ist normal. Stell dich nicht so an.
Vielleicht. Aber «alle Frauen» schlafen gerade auch nicht. «Alle Frauen» stehen auch morgens auf und fragen sich, ob sie noch die sind, die sie waren.
Nur redet niemand darüber.

Du hast es versucht.
Mehr Kaffee. Post-its, damit du nichts vergisst. Ein Lächeln aufgesetzt, bevor du reingegangen bist. Du hast dich zusammengerissen, durchgebissen, funktioniert.
Und eine Weile hat das funktioniert.
Bis es nicht mehr funktioniert hat.
Bis der Kaffee den Brainfog nicht mehr wegspült. Bis das Lächeln mehr Energie kostet als die Stunde selbst. Bis das Zusammenreissen so viel Kraft braucht, dass am Ende des Tages nichts mehr übrig ist.
Und trotzdem sagst du niemandem, was wirklich los ist. Weil du nicht schwach wirken willst. Weil du nicht weisst, wie du es erklären sollst. Weil du selbst nicht genau weisst, was los ist.
Was gerade wirklich passiert
Das ist keine Schwäche, du versagst auch nicht. Du bist auch nicht urplötzlich schlechter geworden, bei dem was du tust.
Stell dir vor, dein System läuft gerade auf zwei Betriebssystemen gleichzeitig. Der Körper kalibriert sich neu – hormonell, neuronal, in jedem Gewebe. Und gleichzeitig läuft dein Kopf weiter, will performen, will liefern, will die sein, die du immer warst.
Das kostet. Doppelt.
Und wenn du hochsensibel bist – wenn dein System sowieso schon mehr registriert, mehr verarbeitet, mehr fühlt als andere – dann läuft dieser Umbau nicht einfach im Hintergrund. Er läuft messy. Die Hitze ist intensiver. Der Schlafmangel unerträglich. Der Brainfog dichter. Die Zweifel schärfer.
Dein System ist auf Dauerempfang. Es kann nicht mehr runter fahren. Immer da, immer aktiv. Ja, immer.Und gerade jetzt mehr denn je.

Die Frage, die niemand stellt
Alle sagen: Perimenopause ist normal. Alle Frauen machen das durch.
Ja. Aber nicht alle machen es mit einem Kopf, der nonstop denkt, alles doppelt fühlt und sich gleichzeitig fragt, ob er gerade versagt.
Die Frage ist nicht: Ist das normal?
Die Frage ist: Was brauchst du wirklich, wenn dein Körper und dein Kopf gleichzeitig im Ausnahmezustand sind?
Was ich aus Erfahrung weiss: Nicht mehr Kaffee. Nicht mehr Post-its. Nicht mehr Zusammenreissen.
Sondern jemanden, der die Sprache deines Systems versteht. Der nicht erklärt, was Hormone sind – sondern der versteht, was es bedeutet, wenn alles auf einmal zu laut wird.
Vielleicht bist du gerade nicht die, die du warst.
Aber das heisst nicht, dass du weniger bist. Es heisst, dass gerade zwei Dinge gleichzeitig passieren – und dass du dafür keine Extra-Kraft aus dem Nichts holen musst.
Du schaffst die Coaching-Stunde. Du hast sie immer geschafft.
Aber du solltest sie nicht alleine schaffen müssen.
Ich bin hier melde dich.
Ursina

