Hochsensibel – aber welcher Typ? Was die Forschung über Belastung und Ressource weiss
- vor 2 Tagen
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Ich bin hochsensibel. Das weiss ich seit vielen Jahren. Und ich habe jahrzehntelang gedacht, das bedeute vor allem: alles spüren, alles ausgleichen, für alle da sein. Am besten rund um die Uhr.
Kleiner Spoiler:
Das ist nicht Hochsensibilität. Das ist Erschöpfung mit gutem Selbstbild.
Es gab Lebensphasen, in denen meine Wahrnehmungstiefe eine echte Ressource war. Und es gab Phasen, in denen dieselbe Fähigkeit mich zerrieben hat. Kein Filter mehr. Kein Abstand. Nur noch Durchzug.
Beides war ich. Beides kenne ich. Und die Forschung bestätigt längst, was viele hochsensible Frauen im Stillen ahnen: Wir sind keine homogene Gruppe. Es gibt zwei Typen. Und das Entscheidende – man kann wechseln.
Inhalt

Was eine Studie mit über 3000 Hochsensiblen zeigt
Der Psychologe Dr. Guido F. Gebauer hat Daten von 3217 Teilnehmenden ausgewertet und dabei hochsensible Persönlichkeiten auf ihre Persönlichkeitsstruktur untersucht. Das Ergebnis ist klar:
Hochsensible zerfallen in zwei ungefähr gleich grosse Gruppen.
Was alle HSP verbindet: Offenheit für Erfahrungen.
Diese Eigenschaft – die Bereitschaft, tief wahrzunehmen, offen zu bleiben, Eindrücke zuzulassen – ist bei allen Hochsensiblen erhöht. Sie ist der gemeinsame Nenner, unabhängig davon, ob jemand leidet oder aufblüht.
Was die Gruppen trennt, ist etwas anderes.
Die zwei Typen der Hochsensibilität
Typ 1: Der Belastungs-Typ
Dieser Typ erlebt Hochsensibilität hauptsächlich als Last. Kennzeichnend sind:
Hoher Neurotizismus. die emotionale Labilität, innere Unruhe, Verletzlichkeit
Eher introvertiert und isolativ
Weniger Gewissenhaftigkeit in Alltagsstruktur und Selbstorganisation
Das Nervensystem ist chronisch überreizt, kaum Erholung möglich
Dieser Typ kennt das Gefühl, nach einem gewöhnlichen Tag so leer zu sein, als hätte man einen Marathon gelaufen – im Sitzen. Die Sensibilität fühlt sich wie eine Dünnhautigkeit an, nicht wie eine Gabe.
Typ 2: Der Ressourcen-Typ
Dieser Typ erlebt dieselbe Sensibilität als Kraft. Kennzeichnend sind:
Emotionale Stabilität – geringer Neurotizismus, die emotionale Labilität, innere Unruhe, Verletzlichkeit
Eher extravertiert, kontaktfreudig, nach aussen orientiert
Höhere Gewissenhaftigkeit und Alltagsstruktur
Das Nervensystem kann sich regenerieren, die Sensibilität nährt statt zu erschöpfen
Dieser Typ hat gelernt – manchmal durch glückliche Umstände, manchmal durch harte Arbeit an sich selbst – die eigene Wahrnehmungstiefe zu nutzen, ohne darin zu versinken. Das Nervensystem dient. Es regiert nicht mehr.

Ich kenne beide Zustände – aus eigener Geschichte
Als Kind war ich der Thermostat meiner Familie,
Ich habe jede Schwingung wahrgenommen, jede emotionale Veränderung, lange bevor sie ausgesprochen wurde. Und ich wurde dafür eingesetzt – unbewusst, wie das in Familien so geschieht – die Balance herzustellen. Der Frieden musste erhalten werden. Und ich war derjenige, der das regelte.
In der Schule war ich die Friedensstifterin. Ich war wie süchtig nach Harmonie. Ich wollte es eigentlich nicht – ich konnte nicht anders. Mein Nervensystem kannte keinen anderen Modus.
Das war der Belastungs-Typ. Live. Ohne dass ich einen Namen dafür hatte.
Mit 30 hat sich etwas verändert. Nicht durch eine Diagnose. Nicht durch ein Buch. Durch ein einziges Gespräch mit meinem Coach.
Er hat mir gespiegelt, was ich nicht sehen konnte: dass meine Fähigkeit, alles zu spüren, eine Gabe ist – und keine Verpflichtung. Dass ich nicht immer fühlen, ausgleichen und Balance erschaffen muss. Dass der Thermostat auch einfach mal ausgeschaltet sein darf.
Ich erinnere mich noch, wie ich dachte: Das kann nicht stimmen. So einfach kann das nicht sein.
Es war nicht einfach. Aber es stimmte.
Ich bin noch immer hochsensibel. Immer. Aber ich bin heute – meistens, an guten Tagen und manchmal auch an schwierigen – im Ressourcenmodus. Nicht weil mein Nervensystem ruhiger geworden wäre. Sondern weil ich gelernt habe, es zu führen statt von ihm geführt zu werden.
Das ist der Unterschied zwischen den zwei Typen. Und er ist lernbar.

Was du konkret tun kannst: Vom Belastungs- zum Ressourcen-Typ
Das ist die wichtigste Botschaft aus der Forschung: Belastung ist kein Schicksal. Du kannst aktiv daran arbeiten, deinen Zustand zu verschieben.
Hier sind die Ansätze, die ich aus eigener Erfahrung und meiner Arbeit mit Frauen kenne:
1. Hör auf, deine Sensibilität für das Problem zu halten
Die Hochsensibilität ist nicht das Problem. Der fehlende Puffer ist das Problem. Solange du deine Wahrnehmungstiefe als Defekt betrachtest, investierst du Energie in den falschen Kampf.
2. Baue emotionale Stabilität aktiv auf
Neurotizismus (die emotionale Labilität, innere Unruhe, Verletzlichkeit) ist keine feste Grösse. Er lässt sich durch regelmässige Stille, Körperarbeit, Atemarbeit und gezieltes Nervensystem-Training reduzieren. Nicht auf null – aber auf ein handhabbares Mass.
Was mir persönlich hilft: Morgenstille, bevor der Tag beginnt. Bewegung in der Natur. Und die Arbeit mit dem Unbewussten, die ich in der Embrace Mind -Methode anbiete. Die Frau auch selber anwenden kann.
3. Lerne, Stimmungen zu sortieren
Hochsensible nehmen Stimmungen anderer Menschen auf – oft, ohne es zu merken. Die Frage, die ich mir heute sofort stelle, wenn sich meine Stimmung verändert: Ist das meins? Oder gehört das jemandem im Raum?
Diese Unterscheidung allein entlastet enorm. Und sie lässt sich üben.
4. Schaff dir Struktur – nicht als Kontrolle, sondern als Gefäss
Die Studie zeigt: Ressourcen-HSP sind gewissenhafter. Das bedeutet nicht, perfekter zu sein oder ein Bullet-Journal zu führen, das aussieht wie ein Kunstprojekt. Es bedeutet, einen Rahmen zu haben, der dein Nervensystem entlastet. Feste Schlafzeiten, bewusste Übergänge zwischen Terminen, Pausen, die wirklich Pausen sind – und nicht heimlich Arbeitszeit im Pyjama.
5. Suche Menschen, die ähnlich gestrickt sind
Isolation verstärkt Belastung. Das zeigt die Forschung klar. Verbindung mit Menschen, die ähnlich wahrnehmen, entlastet. Du musst dich nicht immer erklären. Du wirst einfach verstanden.
6. Reflektiere, was dir wirklich guttut
Nicht was du leisten solltest. Nicht was andere erwarten. Sondern: Welche Beziehungen nähren mich? Welche Arbeit trägt mich? Welcher Ort gibt mir Energie zurück?
Diese Fragen klingen einfach. Sie sind es nicht. Aber sie verändern alles, wenn du sie ernst nimmst.
Hochsensibilität ist keine Diagnose – sie ist ein Ausgangspunkt
Ob du gerade im Belastungs- oder im Ressourcenmodus bist, sagt nichts darüber aus, wer du bist. Es sagt etwas darüber aus, wie dein Nervensystem gerade aufgestellt ist. Und Nervensysteme – das ist die gute Nachricht – sind lernfähig. Auch mit 40, 50, 60.
Besonders mit 40, 50, 60. Weil du endlich genügend von dir weisst, um aufzuhören, dich zu verbiegen.
Nach vielen Jahren in der Begleitung von Frauen, die hochsensibel, neurodivergent und vielbegabt sind, bin ich überzeugt: Der Wechsel vom Belastungs- zum Ressourcentyp geschieht nicht zufällig. Er ist eine persönliche Entscheidung. Und manchmal braucht es dafür genau ein Gespräch, das einen Namen gibt, was du längst weisst.
Du musst nicht für immer der Thermostat sein.

Willst du herausfinden, wo du gerade stehst?
In meiner Arbeit mit der Embrace Mind Methode arbeite ich direkt mit dem Unbewussten – dort, wo die Muster sitzen, die dein Nervensystem in Belastung halten. Wenn du eine hochsensible Frau in der Lebensmitte bist und spürst, dass ein Wechsel möglich sein könnte: Ich begleite dich gerne.
Ursina
Du möchtest mehr lesen, hier geht es zu meinem Blog oder www.friedpartner.ch





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