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Wenn Kapitän und Crew wieder zusammenarbeiten – Ein Gespräch über Depression und innere Veränderung

  • 23. März
  • 6 Min. Lesezeit

Schwarz weiss, Frau steht im Wattenmeer, Nebelich, Ursina Fried, friedpartner.ch, BlogUrsinaFried
Ein Gespräch über Depression

(Name aus Datenschutzgründen geändert. Ich danke „Ramona“ für ihre Offenheit.)


Eine Krise beginnt meist nicht mit einem dramatischen Ereignis.


Sie schleicht sich leise ins Leben.

Ein wenig weniger Energie. Ein wenig weniger Freude. Ein Gefühl von innerer Schwere, das sich kaum erklären lässt.


Viele Menschen funktionieren lange weiter, obwohl sich innerlich bereits etwas verschoben hat. Der Alltag läuft – Arbeit, Verpflichtungen, Gespräche – und doch fühlt sich alles an, als würde man gegen eine unsichtbare Strömung schwimmen.


INHALT


In diesem Gespräch erzählt „Ramona“, wie sie diese Zeit erlebt hat.

Und wie sich ihr Leben verändert hat, als sie begann, genauer hinzuschauen. Das Interview habe ich fast 1 Jahr nach unserer Arbeit aufgezeichnet, denn ich wollte wissen, wie es Ramona geht.


schwarz weiss, Frau in Ecke Hände über dem Kopf, Ursina Fried, friedpartner.ch, BlogUrsinaFried
Wenn die Traurigkeit nicht mehr weg geht

Wenn Traurigkeit nicht mehr einfach wieder geht

Traurigkeit gehört zum Leben. Sie kommt und geht. Doch irgendwann merkte Ramona, dass bei ihr etwas anders war.


„Traurigkeit kenne ich. Die gehört zum Leben.Aber das hier war anders. Es war, als würde ständig etwas auf mir lasten. Freude war kaum noch da.“


Was sie besonders verunsicherte, war nicht nur die Intensität dieses Gefühls – sondern seine Dauer.


Die Tage fühlten sich schwer an.

Und das, obwohl äusserlich eigentlich nichts Dramatisches passiert war.


Viele Menschen erleben Depression genau so:

Nicht als plötzliches Ereignis, sondern als langsame Veränderung des inneren Erlebens.


Wenn auch der Körper anfängt zu sprechen

Depression zeigt sich nicht nur im Kopf. Oft reagiert auch der Körper.


Ramona erinnert sich:


„Es war nicht nur emotional. Ich war auch körperlich erschöpft. Mein Magen spielte verrückt, und ich fühlte mich ständig ausgelaugt – egal wie viel ich mich ausruhte.“


Diese Form der Erschöpfung lässt sich schwer erklären.


Es ist nicht die Müdigkeit nach einem langen Arbeitstag. Auch kein Schlafmangel.

Es ist eher, als würde das gesamte System permanent auf Sparflamme laufen.


halbes Gesicht im Dunkel, schwarz weiss bild, Ursina Fried, friedpartner.ch, BlogUrsinaFried
Wenn der Alltag plötzlich schwer wird

Wenn der Alltag plötzlich schwer wird

Besonders deutlich wurde die Veränderung bei der Arbeit.


„Ich wurde unkonzentriert und machte plötzlich viele Fehler. Das war für mich sehr ungewohnt, weil ich eigentlich immer sehr zuverlässig bin.“


Für viele Menschen ist genau das ein wichtiger Moment:

Wenn der Alltag nicht mehr so funktioniert wie früher.


Auch emotional veränderte sich etwas.


„Ich war schneller gereizt und fühlte mich innerlich ständig angespannt – fast so, als würde ich nonstopp im Alarmmodus laufen.“


Viele Betroffene beschreiben diesen Zustand ähnlich:

Der Körper wirkt, als wäre er ständig auf Gefahr eingestellt.


Selbst dann, wenn im Aussen eigentlich Ruhe herrscht.


Schiffsteuer im Licht, Ursina Fried, friedpartner.ch, BlogUrsinaFried
Dein Schiff, dein Leben

Das Bild vom Schiff – Kapitän und Crew

In meiner Arbeit verwende ich oft ein Bild, das vielen Menschen sofort verständlich erscheint.


Der Kapitän steht für unser Bewusstsein – den Teil von uns, der weiss, wohin wir wollen.


Die Crew steht für unser Unbewusstes. Dort liegen Erfahrungen, Gewohnheiten, Schutzmechanismen und alte Muster.


Wenn Kapitän und Crew zusammenarbeiten, kann das Schiff durch jeden Sturm fahren. Doch wenn Teile der Crew eine andere Richtung einschlagen oder erschöpft sind, wird die Reise schwierig. Da nützen die besten Affirmationen nichts.


Ramona erinnert sich gut an diesen Moment:

„Das Bild hat bei mir sofort etwas ausgelöst.“


Denn ihr Kopf wusste eigentlich genau, wie ihr Leben aussehen sollte.

„Der Kapitän hatte einen klaren Kurs.“


Doch gleichzeitig gab es in ihr andere Stimmen.

„Teile, die erschöpft und unendlich müde waren. Teile, die Druck gemacht haben. Teile, die Angst hatten.“


Viele Menschen kennen diesen inneren Konflikt. Ein Teil möchte weiterhin funktionieren, will weitermachen. Ein anderer Teil möchte einfach nur Ruhe, er kann nicht mehr.


Ein Teil will stark sein. Ein anderer fühlt sich überfordert.


Die überraschende Erkenntnis: Diese Teile sind nicht gegen uns

Eine wichtige Veränderung begann für Ramona mit einer einfachen Einsicht.


„Diese inneren Anteile waren nicht gegen mich.“

Im Gegenteil. „Sie wollten mich eigentlich schützen und unterstützen, sie wussten nur nicht wie.“


Viele unserer inneren Muster entstehen ursprünglich aus Schutz. Sie helfen uns, schwierige Situationen zu bewältigen, Erwartungen zu erfüllen oder mit Stress umzugehen.


Doch manchmal bleiben diese Strategien aktiv, obwohl sie längst nicht mehr notwendig sind.

Dann entsteht innerer Druck. Nicht weil wir etwas falsch machen – sondern weil verschiedene Teile in uns unterschiedliche Bedürfnisse haben.


Wegweiser, Ursina Fried, friedpartner.ch, BlogUrsinaFried
Veränderung geschieht EINFACH

Veränderung geschieht einfach

In unserer gemeinsamen Arbeit ging es deshalb nicht darum, Symptome einfach zu überdecken.


Stattdessen haben wir gemeinsam geschaut:

  • welche inneren Muster wirken

  • welche Gewohnheiten unbewusst Druck erzeugen

  • welche Schutzmechanismen heute nicht mehr gebraucht werden

  • Was die Angst zu sagen hat.


Dabei spielt es oft keine grosse Rolle, ob etwas zuerst im Körper oder im Denken entstanden ist.

Beides beeinflusst sich gegenseitig.


Wenn sich Gedanken verändern, reagiert oft auch der Körper.

Und wenn der Körper sich entspannt, werden Gedanken ruhiger.


Kleine Veränderungen – grosse Wirkung

Wenn man Ramona heute fragt, was sich am meisten verändert hat, beschreibt sie es erstaunlich einfach.


„Meine Muster, die wir anschauten sind weg, oder haben sich verändert. Ich kann es nicht sagen. In mir lebt Hoffnung und ich fühle mich kraftvoll. “


Sie ist heute anders unterwegs im Leben.

„Ich spreche Dinge an, die mir unangenehm sind. Das konnte ich nicht, weil ich Angst vor Zurückweisung hatte.“


Früher hätte sie vieles geschluckt oder mit sich selbst ausgemacht. Heute sagt sie klar, wenn etwas für sie nicht stimmt.


Auch ihre Grenzen nimmt sie ernster.

„Ich weiss besser, wann ich Ruhe brauche. Dann nehme ich sie mir auch.“


Und ein Satz bleibt besonders hängen:

„Ich sage viel öfter Nein als früher – und ohne mich dafür zu rechtfertigen und was ich regelmässig mache? Wenn etwas nicht so rund läuft spreche ich jetzt mit meiner Crew.“


Oft sind es genau solche kleinen Veränderungen, die langfristig den grössten Unterschied machen.


Frau die grübelt, Ursina Fried, friedpartner.ch, BlogUrsinaFried
Der Umgang mit Grübeln

Der Umgang mit Grübeln

Viele Menschen in depressiven Phasen kennen das Gefühl, dass Gedanken sich ständig im Kreis drehen. Auch Ramona denkt viel. Doch ihr Umgang damit hat sich verändert.


„Ich denke immer noch viel. Das gehört zu mir.“

Früher versuchte sie, gegen diese Gedanken anzukämpfen. Heute nicht mehr.

„Ich habe akzeptiert, dass mein Kopf einfach gerne denkt.“


Diese Akzeptanz hat etwas Entscheidendes verändert. Denn sobald Gedanken beginnen, sich im Kreis zu drehen, erkennt sie es schneller.

„Ich merke schneller, was gerade passiert – und steige aus dieser Spirale aus.




Vier Sitzungen – und plötzlich wieder Hoffnung

Unsere Zusammenarbeit dauerte nur vier Sitzungen. Viele Menschen erwarten bei solchen Themen lange Prozesse. Doch manchmal reichen wenige Impulse, um etwas im Inneren zu bewegen. Auf die Frage, was sich am deutlichsten verändert hat, antwortet Ramona ohne zu zögern:


„Ich fühle mich wieder lebendig.“


Ein Satz, der mehr sagt als viele Erklärungen. Sie beschreibt ihre Situation heute so:

„Ich habe wieder Lebensfreude – und auch Hoffnung.“


Während der depressiven Phase fühlte sich ihr Leben nicht immer lebenswert an. Schwer. Begrenzend. Heute beschreibt sie es anders.


„Es ist, als hätte mein Schiff wieder Wind in den Segeln.“


Vielleicht erkennst du dich in dieser Geschichte

Zum Schluss habe ich Ramona gefragt, was sie jemandem sagen würde, der sich in ihrer Geschichte wiederfindet. Sie musste nicht lange überlegen.


„Es lohnt sich hinzuschauen.“


Und dann fügt sie hinzu:

„Veränderung kann manchmal schneller möglich sein, als man denkt.“


Ein Satz bleibt besonders hängen.

„Man muss nicht ewig in alten Geschichten feststecken.“ Sondern: „Man kann lernen, die eigene Crew wieder an Bord zu holen – und gemeinsam weiterzufahren.“


Schnellboot auf dem Meer, Ursina Fried, friedpartner.ch, BlogUrsinaFried
Wenn das Schiff fahrt aufnimmt.

Ein Gedanke zum Schluss: Wenn das Schiff wieder Fahrt aufnimmt

Viele Menschen funktionieren lange weiter, obwohl innerlich längst etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.


Der Alltag läuft. Die Verpflichtungen auch. Doch das Innere meldet sich irgendwann. Nicht um uns zu schwächen. Sondern um uns daran zu erinnern, dass etwas gesehen werden möchte.


Wenn Kapitän und Crew wieder miteinander sprechen, verändert sich oft mehr, als man erwartet.


Und manchmal genügt ein kleiner Kurswechsel, damit wir wieder Fahrt aufnehmen. ⛵


Ursina



PS: Manchmal dauert es auch etwas länger als 4 Sitzungung. Das ist sehr individuell doch es sind nicht Jahre.



Über die Autorin

Ursina Fried begleitet Menschen in Zeiten innerer Veränderung.

In ihrer Arbeit verbindet sie psychologische Erkenntnisse mit intuitiven Methoden und einem ganzheitlichen Blick auf Körper, Gedanken und emotionale Muster.


Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Frage:

Wie können Menschen wieder Zugang zu ihrer inneren Orientierung finden – und Entscheidungen treffen, die wirklich zu ihnen passen?


Mit ihrer Methode Embrace Mind unterstützt sie Menschen dabei, innere Muster zu erkennen, neue Perspektiven zu entwickeln und wieder mehr Lebendigkeit im eigenen Leben zu spüren.


Mehr Informationen:

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