Depression im Job: Entlassungen, mentale Belastung und achtsames Gehen
- 6. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Depression im Job und Unsicherheit durch Entlassungen: Wie achtsames Gehen hilft, mentale Stabilität und Klarheit im Alltag zu finden.

Es ist nicht nur „Stress“ – es geht tiefer.
Ich beobachte gerade etwas, das viele nicht aussprechen.
Menschen verlieren nicht nur ihre Jobs, nein auch ihr inneres Gleichgewicht.
Entlassungswellen gehen nicht nur durch Unternehmen.
Sie gehen durch Körper, den Geist und die Seele.
Unsere Gedanken sind betroffen.
Unsere Beziehungen.
Durch dieses leise Gefühl von: „Irgendwas stimmt nicht mehr, was habe ich falsch gemacht?“
Glaube mir – das ist kein „normaler Arbeitsstress“. Das habe ich erlebt und mit den Worten begleitet: "Nimm es nicht persönlich." Ach ja?
Nun, vielleicht hattest du Glück und du hast diese eine Welle ohne Kündigung überstanden und doch...
... ist da dieser Zustand, der sich für viele wie eine milde, schleichende Depression im Job anfühlt.
Nicht immer klinisch und doch sehr präsent und spürbar.
Ich sehe zwei Reaktionen – und beide kosten Kraft
Die einen ziehen sich zurück, während sie noch angestellt sind.
Die anderen drehen auf. Mehr leisten. Mehr kontrollieren. Noch unentbehrlicher werden.
Beides ist verständlich. Beides ist ein Versuch, Sicherheit zurückzuholen.
Aber beides hat denselben Preis: Du verlierst dich ein Stück selbst.

Was das wirklich mit uns macht (jenseits von HR-Strategien)
Ich arbeite mit Menschen, nicht mir ihren Rollen. Und wenn du die Rolle abziehst – „Managerin“, „HR“, „Teamlead“ – bleibt etwas sehr Echtes übrig:
Ein Mensch mit einem Nervensystem, das nicht mehr runterfährt.
Ein Kopf, der Szenarien baut.
Ein Körper, der müde ist, obwohl er „nichts gemacht hast“.
Und dann kommt dieser Moment, den viele kennen (auch ich):
Du sitzt da. Du tust, was du immer tust.
Aber du fragst dich: Wo bin ich? Was geschieht mit mir?
Ich musste feststellen:
Optimieren brachte nichts mehr.
Das Schönreden verstummte.
Es fühlte sich unheimlich an.
Was ich dachte? Das bin nicht ich.
Jetzt hiess es hinschauen.
Warum ich nicht mit „Selbstoptimierung“ komme
Ich könnte dir jetzt Tools geben. Morgenroutine. Atemübungen. Journaling.
Alles gut und schön und in manchen Momenten des Lebens genau richtig.
Aber wenn du innerlich unter Druck stehst, fühlt sich das oft einfach nach noch mehr To-do an. Deshalb gehe ich einen anderen Weg.
Ich bringe Menschen zurück in etwas, das sie verloren haben:
Verbindung zu sich selbst.
Und eine der simpelsten, unterschätztesten Methoden dafür ist: Achtsames Gehen.

Achtsames Gehen – kein besonderer Trend.
Ich mache das auch. Nicht, weil es „schön“ ist. Sondern weil es wirkt.
Wenn mein Kopf schreit, gehe ich. Denn Stillsitzen verstärkt das Geschrei im Kopf.
Ich brauche kein Ziel. Keine Schrittvorgabe.
Ich gehe. Ich gehe, bis mein Körper wieder spricht. Ich setze einen Fuss nach dem anderen auf. Ich gehe achtsam.
Ich richte meine Aufmerksamkeit auf jeden Schritt, auf meine Körperempfindungen und meinen Atem, um im Hier und Jetzt zu sein. Ich gehe langsam, ich spüre den Bodenkontakt meiner Füsse, das Abrollen und die Beinbewegung, der Atem synchronisiert sich...
... und plötzlich ist da wieder Raum für Klarheit. Und Klarheit ist in solchen Zeiten mehr wert als jede Strategie.
Mein Umgang mit Unsicherheit
Ich tue nicht so, als wäre ich immer super stabil unterwegs im Leben. Ich kenne diese Wellen gut. Aber ich habe aufgehört, sie weg zu stecken und schön zu reden.
Ich nehme mich ernst. Ich suche die Verbindung zu mir.
Das bedeutet konkret:
Ich reduziere bewusst den "Lärm" von aussen
Ich höre früher auf meinen Körper (nicht erst, wenn er schreit)
Ich treffe Entscheidungen, die sich ruhig und richtig anfühlen – nicht immer vernünftig.
Und ja: Das verändert, wie ich arbeite. Mit mir. Und mit anderen.

Für HR: Das ist der blinde Fleck
Die meisten Massnahmen greifen nicht wirklich. Sie sind ein weichzeichnen, ein verwässern, oder vielleicht kreiert um das Gewissen zu beruhigen. Vieles bleibt oberflächlich.
Menschen brauchen nicht nur Kommunikation. Das wäre schon mal was.
Oder Benefits. Sie brauchen das Gefühl:
Ich darf hier Mensch sein – auch in Unsicherheit.
Das bedeutet:
Gespräche führen, aktives Zuhören praktizieren. Nicht darauf warten, seine Meinung zu äussern. Nein zuhören und reflektieren.
Räume für Emotionen (nicht nur Performance)
Führung, die nicht meint alles zu wissen zu müssen.
Führung die präsent ist
Das sind keine „Soft Skills“.
In meinen Augen sind das Überlebenskompetenzen für gesunde Organisationen.
Was auf uns zukommt
Die Arbeitswelten werden nicht "ruhiger". Die Welt ist unsicher. Beständigkeit wurde durch stehte Veränderung abgelöst und das immer schneller.
Die Arbeitswelten sind unvorhersehbar geworden.
Das Alte bricht nicht einfach weg. Es kann auch nicht passend gemacht werden.
Und genau deshalb brauchen wir etwas "Neues":
Menschen, die sich selbst führen können (wirklich nichts Neues, das hörte ich schon in Weiterbildungen der Organisationsentwicklung in den1990 Jahren.

Wenn du gerade merkst, dass dich das (be)trifft
Dann nimm dich ernst.
Warte nicht bis es "schlimmer wird“. Höre auf alles schön zu reden oder zu glauben, dass es besser wird.
Geh raus. Geh in der Stadt, geh im Wald. Geh langsam. Geh ohne Ziel.
Und beobachte, was passiert, wenn du dich dem Gehen hingibst. Wenn dein Kopf ruhiger, klarer und bewusster wird, dann sind Entscheidungen ebenfalls bewusster und klarer.
Das ist ein Anfang.
Ursina
PS:
Viele träumen davon, einmal den Jakobsweg zu gehen. Ein Weg der Selbstfindung. Irgendwann.
Aber was, wenn du nicht warten musst? Wenn jeder bewusste Schritt im Alltag bereits ein Teil dieses Weges ist? Achtsames Gehen ist kein Ersatz.
Es ist der Anfang.
FAQ
1. Woran merke ich, dass mich meine Arbeit mental belastet?
Nicht erst, wenn gar nichts mehr geht.
Sondern viel früher: Du bist schneller erschöpft, deine Gedanken kreisen auch nach Feierabend, und selbst kleine Aufgaben fühlen sich schwer an.
Das sind keine „schlechten Tage“ – das ist ein Signal deines Systems.
2. Wie hilft achtsames Gehen konkret bei Stress oder depressiven Phasen im Job?
Es bringt dich raus aus dem Kopf und zurück in den Körper.
Dein Nervensystem kann sich regulieren, Anspannung baut sich ab, und du gewinnst wieder Abstand zu deinen Gedanken.
Das schafft Klarheit – und die brauchst du, bevor du irgendetwas entscheidest.
3. Wie kann ich achtsames Gehen in meinen Alltag integrieren, wenn ich wenig Zeit habe?
Du brauchst keine Stunde.
10-15 Minuten reichen.
Depression im Job: Entlassungen, mentale Belastung und achtsames Gehen





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